Bild: KAMP/www.katholisch-werden.de
aus Freude
aus Freude

Ich musste 66 Jahre alt werden, ehe mich der Heilige Geist dann doch noch „erwischt" hat. Evangelisch getauft, aber lange Zeit „bekennender Atheist", bin ich schließlich katholisch geworden - und habe damit nicht nur meine Familie und Freunde überrascht, sondern auch mich selber. Tatsächlich aber war es wohl doch ein längerer Prozess, der mich zu diesem Schritt geführt hat. Ich hatte diese zögerliche Wandlung nur nicht wahrhaben wollen, zu sehr wollte ich mich auch selber sehen als den skeptischen, etwas zynischen „Heiden", als den ich mich so gerne nach außen präsentierte.

Dazu gehörte, dass ich mich lange Zeit entschieden geweigert habe, eine Kirche, gleich welcher Konfession, auch nur zu betreten. Nicht einmal zu den Taufen meiner eigenen Kinder habe ich das getan. Und es war wohl tatsächlich der erste, aus Höflichkeit unvermeidbar gewordene Besuch einer Messe, der mich etwas „gelockert" hat. Der katholische Teil meiner Verwandtschaft brachte es dann mit sich, dass ich immer einmal wieder bei Taufen, Firmungen oder Hochzeiten dabei sein „musste" - und unter anderem feststellen konnte, dass auch Katholiken eigentlich ganz vernünftige Menschen sind. Aber es ist sicher noch mehr mit mir „passiert" bei diesen dann zahlreicher werdenden Gottesdiensten, bei Gesprächen, beim Kennenlernen von Menschen, die unkompliziert aber fest in ihrem Glauben, ihrer Kirche verwurzelt sind.

Dennoch mussten fast 20 Jahre vergehen, ehe ich so weit war, über meinen Schatten zu springen: Meine Frau und ich waren mit Schwager und Schwägerin wandernd in den Alpen unterwegs und kamen dabei an einem Wegweiser vorbei mit der Aufschrift „Getränke und Harfenmusik". Worauf mir spontan entfuhr: „Wenn das wahr ist, dann falle ich vom Glauben ab." Die anderen spotteten natürlich, dass das in meinem Fall wohl kaum möglich sei. Meine Antwort: „Na, dann nähere ich mich dem Glauben eben an." Das war natürlich flapsig dahin gesagt – und doch spürte ich ganz deutlich, dass es mir ernst war mit diesem saloppen Spruch. Ich wollte mich mit diesem Thema, um das ich so lange Zeit misstrauisch herumgeschlichen war, ernsthaft befassen.

Das war keine Entscheidung für den Glauben und schon gar nicht dafür, katholisch werden zu wollen. Viele Gespräche und vor allem Bücher (insbesondere die eines gewissen Kardinals Ratzinger) waren nötig, um mich dorthin zu bringen. Ich erinnere mich gut daran, wie oft ich in meinem Sessel gesessen und bei meiner Lektüre aufgelacht habe - nicht weil der Text so besonders witzig war, sondern aus der reinen Freude darüber, dass ich wieder etwas mehr über „Gott und die Welt" begriffen hatte. Um es kurz zu machen: Es folgte ein Glaubenskurs und ein gutes halbes Jahr später wurde ich dann in einer Osternacht in die Kirche aufgenommen und gefirmt - übrigens nicht als einziger und auch nicht als einziger in meinem Alter.

(Wolfgang F., übergetreten 2011, Quelle: www.katholisch-werden.de)

Eine Lebensentscheidung



»Eine Ehe ohne den Segen Gottes kommt für uns beide nicht in Frage, und auch unsere Kinder sollen später getauft und im christlichen Glauben erzogen werden. Darum habe ich mich taufen lassen.« … weiterlesen
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