Die katholische Kirche hat mir so unendlich viel gegeben
Die katholische Kirche hat mir so unendlich viel gegeben

Ich kam 1995 nach dem Studium in Oldenburg nach Hamburg, um hier das zweijährige Refendariat zu absolvieren. Es wurde zu einer Zeit, die sich als schwierig herausstellen sollte. Der Stadtteil St. Georg und die Lange Reihe wurden zu meiner Wohlfühlzone in Hamburg. Regelmäßig ging ich auch in den Mariendom, um zur Ruhe zu kommen und zu beten oder an der Heiligen Messe teilzunehmen. Als Protestant nahm ich nie an der Eucharistie teil.

Auch auf meinen unzähligen Reisen nach Süddeutschland, Österreich, Frankreich, Belgien, Norditalien oder Polen zogen mich die stets offenen katholischen Kirchen immer wieder an. Hier fühlte ich mich wohl. Hier gab es so viel zu sehen und zu entdecken und hier roch es nach Weihrauch. Zunehmend ärgerte ich mich über die kahlen und meistens verschlossenen protestantischen Kirchen.

In den katholischen Kirchen gab es überall eine Statue der Heiligen Jungfrau mit Kerzen davor. Hier konnte man beten und das tat ich oft im Mariendom in Hamburg und in anderen Kirchen. Ich war ein entwurzelter junger Ostfriese in einer Millionenstadt. Hier fand ich neue Wurzeln.

Schon als junger Erwachsener ging ich mit Freunden in die Heilige Messe in die St. Bonifatius-Kirche nach Langholt im südlichen Ostfriesland, nach St. Joseph am Vosseberg in Papenburg oder in die Johanniterkapelle Bokelesch im nördlichen Saterland.

Auf zahlreichen Fahrten nach Taizé lernten wir Burgund kennen und erfüllten den schönen Raum der romanischen Kirche von Ameugny mit unserem Gesang. Der sonntägliche Gottesdienst in der Communauté de Taizé ähnelte sehr der Heiligen Messe der Katholischen Kirche. Die Form des Gottesdienstes wurde mir hier und später an anderen Orten und in Hamburg vertraut. Überall fand sie in derselben Art und Weise statt. Das schuf einen großen Wiedererkennungswert an unterschiedlichen Orten und ein Gefühl von Heimat.

Schon früh erfuhr ich vom Schicksal des Kaplans Hermann Lange aus Leer. Er war Ostfriese wie ich und auch ihn hatte es in das Erzbistum Hamburg verschlagen. Die Lübecker Märtyrer wurden mir vertraut. Sie gaben ihr Leben für den Kampf gegen das nationalsozialistische Unrechtsregime. Welch eine Heldentat von vier Männern, die wahrscheinlich unsicher und ängstlich waren wie ich. Aber sie fanden unendlich viel Kraft und Mut in ihren vielen Gebeten zu Gott und zu den Heiligen der Katholischen Kirche und durch die Sakramente.

Zu dieser Kirche musste und wollte auch ich gehören. Ich wartete bis zu meiner Frühpensionierung, um es offiziell zu machen. Nun bin ich Teil dieser Kirche und dafür unendlich dankbar. Jahrzehntelang konnte ich nicht an der Heiligen Kommunion teilnehmen. Das hole ich nun nach, indem ich fast täglich in die Heilige Messe gehe.

Ich möchte der geliebten Kirche etwas zurückgeben. So habe ich als erstes begonnen, die Beete beim Dom zu verschönern. Als passionierter Gärtner pflanze ich dort Blumen, jähte Unkraut und beschneide die Rosen. Wohin mein Weg in der Katholischen Kirche mich weiter führen wird, weiß ich nicht.

Mit missionarischem Schwung



"Die Kirche darf sich keinesfalls auf eine Pastoral der „Aufrechterhaltung" beschränken, die nur auf jene ausgerichtet ist, die das Evangelium Christi bereits kennen. Der missionarische Schwung ist … weiterlesen
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